Geologie

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Die Geologie Stella anatiums wurde bislang nur von wenigen Autoren erforscht. Eine erste Annäherung an das Thema gelang A. PLATTHAUS, der die Existenz der endogenen Dynamik und plattentektonischer Vorgänge belegte[1]. Die bislang einzige umfassende Darstellung des Themas wurde von P. MARTIN[2] vorgelegt.

Kenntnisstand der Entenhausener Geologen

Entenhausener Geoforscher zeigen die gleiche Ambivalenz, die wir bereits von den Wissensträgern anderer wissenschaftlicher oder technischer Fakultäten kennen (vgl. MARTIN in DD 126): Wir sehen sowohl hochtechnisierte als auch antiquierte Geräte im Einsatz, ebenso finden wir ein Nebeneinander fast magisch anmutender Fähigkeiten und totaler Ignoranz.

Wie bereits von ZUPFER in DD 70 anschaulich belegt, verfügt man in Entenhausen über extrem exakte geodätische Messgeräte. So ist es in U$ 27 Geodäten möglich, mit Hilfe einfacher optischer Vermessungsgeräte Höhenunterschiede im Nanometerbereich zu bestimmen:

Eine weitere messtechnische Höchstleistung ist die Ermittlung eines Öllagers von 100.000 Fass anhand eines Echogrammes weniger Sprengungen mit geringer Sprengkraft (WDC 215). Hier kommen weder lange Geophonketten noch komplizierte digitale Technologie zum Einsatz, vielmehr ist es ein auf einem Anhänger platzierter Apparatismus mit Skalen und Zeigern, der von einem einzelnen Geophysiker betrieben wird. Das ausgedruckte zweidimensionale Diagramm versetzt diesen nicht nur in die Lage, die Lagerstättenstruktur quantitativ zu bestimmen, darüber hinaus wird hier bereits unmittelbar auf das Vorhandensein von Mineralöl geschlossen. Es müssen demnach bereits explizite Kenntnisse über die geologische Struktur des Untergrundes und die Ausdehnung von Erdölmuttergesteinen vorhanden sein.  

Auch der Echolotapparat aus FC 367 mutet recht bizarr an. Der Apparat mit Antennen, Kurbel, Zahnrädern, einer Grammophonwalze, Stellrädern, einem al­tertümlichen Radiomikrophon und einem noch alter­tümlicheren Schalltrichter ist wohl dem geo­physikalischen Messgerät aus WDC 215 verwandt und kann wahrscheinlich noch eine Vielzahl weiterer Informationen liefern. Schließlich wird dem Auftraggeber ein detail­liertes Gutachten nicht nur über die Tiefe der vermessenen Kaverne, son­dern auch über die Mächtigkeit der Gesteinsschicht unter dem abgestürzten Vermögen sowie die Tragfä­higkeit der Schichten im Liegenden ("Triebsand") gelie­fert. Die mit großer Selbstsicherheit ge­troffenen Aus­sagen relativieren sich aber, wenn man bedenkt, dass ein weiterer wichtiger Hohlraum in unmittelbarer Nähe des Un­tersu­chungsgegen­standes, nämlich die Höhle in der Kum­mersdorfer Schlucht (FC 367), von den ver­sammelten Geowissenschaftlern überse­hen wurde.

Im Weiteren kann es somit auch kaum verwundern, dass selbst die ausgedehnten Kullerhöhlen und die Tätigkeit der Kul­lern selbst noch nicht messtechnisch erfasst wurden. Geo­physik und Geotechnik befinden sich in Entenhausen auf hohem Niveau. Der Erkenntnisgewinn hängt aber in großem Maße von Techniken ab, die dem anatiden Wissenschaftler bisweilen den Blick auf das Offensichtli­che versperren. Daher kommt neben hochinnovativen Techniken stets auch primitiv anmutende aber hocheffektive Technologie zum Einsatz. In U$ 51 finden wir einen Fachmann für Bio-Geodynamik bei der Arbeit. Er nimmt auf Grund eigener Anschauung und sensorischer Methoden eine genau anmutende Schätzung der Zahl sogenannter „Maulwürfe“ (Geomys disturbans, JACOBSEN 2001) vor.

Der selfmade man Dagobert Duck jedenfalls vertraut solchen Techniken wie auch der Expertise von Fach­leuten (FC 367) nur sehr begrenzt. Bei seinen ausgedehnten Explorationsreisen verlässt er sich lieber auf seine organoleptischen Fähigkeiten (U$ 19) und seinen Erfahrungsschatz (U$ 26) denn auf Apparaturen.

Allgemeine Geologie

Wenn im Anaversum auch teils fremdartige physikali­sche Mecha­nismen am Wirken sind (vgl. HAWKING in DD 111), führen diese doch zu Strukturen, die den aus unserer Welt be­kannten mehr als ähneln. So ist der Planet Stella Anatium in Bezug auf die Vertei­lung der Kontinente und Klimazo­nen unserer Erde verblüf­fend ähn­lich, aber beileibe nicht gleich (DD 46).

Jedenfalls existieren Kontinentalsockel (U$ 68), denen mächtige Sedimentpakete auflagern ebenso wie ausgedehnte  Tiefseebecken und 10 km tiefe Tiefseegräben (U$ 46). Solche Ähnlichkeiten tre­ten in allen Grö­ßenordnungen auf - selbst einzelne Berge kommen uns bekannt vor – al­lerdings tragen sie in Entenhausen bisweilen andere Namen (FC 1025).

Endogene Dynamik       

Bereits im Jahre 1988 hat PLATTHAUS[1] gezeigt, dass die Plattentektonik auch auf Stella Anatium wirksam ist. Sie erklärt Vulkanismus, Erdbeben, Gebirgsbildung, Tief­seegräben und die Entstehung der kontinentalen Groß­strukturen.

Viele Berichte liegen uns über vulkanische Phänomene vor. Ganze Länder sind nach ihnen benannt, Vulkanien aus FC 147 beispielsweise mit seiner Hauptstadt Los Vulcanos, ist ein typisches Beispiel für eine Subduktionszone, in der abtauchendes Krustenmaterial aufgeschmolzen und schliesslich wieder ausgeworfen wird.

Die Bildung von Vulkanen im Bereich des mittelozeanischen Rückens mit Bildung von Atollen ist beispielsweise aus MOC41 bekannt. In CID sehen wir ein aktives Exemplar eines solchen Meeresvulkanes in der Südsee. Er bricht mit hoher Regelmäßigkeit zweimal am Tag aus – ge­steuert von den Gezeiten, die Wasser in die Magma­kammer eindringen lassen. Bei Verstopfungen der Vul­kantülle entlädt sich der Druck schliesslich in einer explosiven Eruption, wobei ein Tsunami entsteht.

Auch vor der Küste Entenhausens liegt ein erloschener Kleinstvulkan (FC 1184) - Hinweis auf den hier befindlichen In­selbogen einer Subduktionszone.

Eine weitere Erscheinung der endogenen Dynamik sind Erdbeben, die in Entenhausen eher heftig ausfal­len: Gebäude heben im Ganzen ab, Milch wird zu Butter, in der Konservenfabrik lösen sich die Etiketten, wodurch im Extremfall (U$ 13) sogar Zwiebelsuppe und Pflau­menmus ununterscheidbar werden.

Neben den Belegen für plattentektonische Vorgänge gibt es auf Stella Anatium noch eine wesentliche weitere Ursache für Erdbewegungen: Wir finden sie in einer Tiefe von 6.000 m, beim Volk der Kullern, die hier leben. Im Rahmen sportlicher Wettkämpfe zwischen Ost- und Westkullern und durch kollektive Kraftan­strengung bringen sie die Erdkruste zum Brechen (U$ 13). Es ist dies das zweite Beispiel für angewandte Biogeodynamik auf Stella Anatium (s.u.). Nach Aussage eines Kullern in U$ 13 hat die Erdkruste allerdings nur eine Mächtigkeit von 6 km.

Die Bewegungen der Erdkruste führen natürlicherweise zu Schrägstellungen von Gesteinen, Rissen (WDC 96) oder Grabenbrü­chen wie in Ost­afrika (MOC20).

Exogene Dynamik

Auf Stella Anatium treffen wir prinzipiell die gleichen Mechanis­men der exogenen Dynamik an, also der Phänomene von Erosion, Transport und Ablagerung. Wir finden daher ähnliche Oberflächen- und Gesteinsstrukturen wie etwa Karsthöhlungen (Cenote aus U$ 44) oder tiefeingeschnittene Erosionsrinnen, die den Blick auf flachlagernde Sedimente freigeben (WDC 58).

Sedimente in teilweise gestörter Lagerung finden wir in dem einzigen mir bekannten geologischen Schnitt aus U$ 21. Wir sehen eine Abfolge meter- bis zehnermetermächtiger Sandsteine und Schiefer, aber auch eine Kalksteinbank, die sich teils diskordant überlagern. Bemerkenswert sind die unterschiedlichen Schieferungsrichtungen, die auf eine rasche Abfolge orogenetischer Phasen schließen lassen, die in gewissem Gegensatz zu der durchweg +/- flachen Lagerung der Sedimente stehen. Schräg einfallende Schichten sind ohnehin eher die Ausnahme (FC 408, FC 1095).

Allgemein ist eher eine Übersteilung von Felshän­gen (WDC 187, FC 223, WDC 67), Erdan­schnitten (WDC 251) und Locker­schüttungen (FC 456) zu beo­bachten, welche auf eine prinzipiell höhere Scherfestigkeit von Gesteins- und Lockermaterialien schließen lässt.

Spezielle Geologie

Petrologie

Da sich wie dargelegt die Bildungsprozesse gleichen, treten grundsätzlich auf Stella Anatium auch gleiche oder ähnliche Gesteinsprodukte auf. Neben der großporigen Grau­wacke vom Kontinentalrand und den gerade erwähnten Sandsteinen, Schiefern und Kalken finden wir weitere vielfältige Belege für magmatische wie auch sedimentäre Gesteinsbildungen, z.B.:

  • Granit mit typischer Wollsackverwitterung (FC 328)
  • Vulkanisches Auswurfmaterial in Form von Basalten oder Tuffen (FC 147)
  • Alpine Moränenablagerungen mit Findlingen (FC 178)
  • Beach Rock mit bizarren Verwitterungsformen (WDC 94)

Ein speziell anaversales Gestein ist der Dunkle Karbonatpegmatit als Muttergestein von Smaragden (U$ 31). Pegmatite sind die grobkörnige Varietät eines magmatischen Gesteins, hier also eines karbonatischen Magmas. Wie ein solches basisches Gestein als Muttergestein eines (sauren) Beryllium-Aluminium-Silikates dient, ist noch nicht abschließend geklärt. Die meisten der hier gefundenen Smaragde entstehen wohl aus einer Gasphase und weisen daher Blasenform auf. Möglicherweise handelt es sich also um eine spätvulkanische Genese.

Eine Besonderheit unter den sedimentären Bildungen stellt die Schwimmende Insel aus WDC 222 dar, die aus Polypen der Schwimmkoralle Pelagocorallium insularis aufgebaut ist. Sie enthalten wohl Lufteinschlüsse, die für den Auftrieb sorgen.

Paläontologie

Fossilien finden in der Barksschen Überlieferung nur selten Erwähnung. Zwar gibt es mit Sicherheit auch eine fossile Überlieferung invertebrater Formen, doch gibt es hierzu keine Belege. Die einzigen Erwähnungen von Fossilien sind solche von Sauropoden, zum einen in HDL 8 ein Collosaurus longissimus sowie ein einzelner Femur in WDC 262, dort sogleich als 1000-Taler-Knochen identifiziert

Da sie selten sind, stellen Fossilien in erster Linie einen finanziellen Wert dar und unterliegen erheblichen ökonomischen Interessen. Der wissenschaftliche Wert einer paläontologischen Untersuchung und der darauf fußenden geologischen Historie tritt offenbar dabei völlig in den Hintergrund.

Darüber hinaus gibt es im sogenannten "Verbotenen Tal" eine endemische Population lebender Fossilien insbesondere aus der Gruppe der Sauropoda.

Lagerstättengeologie

Geologische Gegebenheiten sind in Entenhausen insbesondere dann von Interesse, wenn sie zu kommerzieller Verwertbarkeit führen. Folgerichtig finden wir reichlich Belege für Bodenschätze:

Uran, Gold, Silber, Diamanten, Kupfer, Erdöl, Platin, Nickel, Zinn, Salz: Erstaunlicherweise werden alle diese genetisch sehr unterschiedlichen Bodenschätze in Australien auf engstem Raume und in Laufentfernung voneinander gefunden (U$ 11).

Mineralien und Edelsteine müssen nicht näher bestimmt werden, solange es nur „ein Haufen teuer aussehender Juwelen“ ist, wobei es sich allerdings um eine laienhafte Einschätzung handelt (WDC 143). Der Fachmann erkennt den Marktwert auch der unscheinbareren Mineralien (U$ 38) und weiß sie notfalls rasch aufzufinden (U$ 46).

Auf Stella Anatium treten auch Mineralien auf, die in unserer Welt völlig unbekannt sind (U$ 18).

Mit Abstand das beliebteste Mineral Entenhausens ist das gediegene Gold. Man findet es in Form gigantischer Nuggets (WDC 268), als Seife (in U$ 22 periodisch durch einen Geysir gefördert) oder auch – vergesellschaftet mit frisch gebackenen Diamanten - in Meteoriten (U$ 43).

Gold verfügt im Anaversum auch über quasimagnetische Eigenschaften (Auromagnestismus), die sich bei der Prospektion nutzen lassen (U$ 47). Eine weitere besondere Eigenschaft des anaversischen Goldes ist sein geringer Schmelzpunkt. In flüssiger Form kann es ohne weiteres in hölzerne Fässer abgefüllt werden (U$ 20).

Höhlen

Spezielle Strukturen sind die anversalen Höhlen. Die größten ihrer Art sind die Wohnhöhlen der Kullern, gigantische Hohlräume, viel grösser als die Adelsberger Grotten, die demnach auch auf Stella Anatium gewaltige Ausmasse haben müssen. Die Kullernhöhlen liegen in 6 km Tiefe, unterhalb der anaversalen Erdkruste, also im Erdmantel (U$ 13). Allerdings ist von den 200°C, die hier herrschen müssten, wenig zu spüren. Demnach ist nicht nur die Krustendicke extrem gering, sondern auch die geothermische Tiefenstufe.

Die Wände dieser Hohlräume fluoreszieren, wahrscheinlich durch radioaktive Zerfallsvorgänge induziert.

Eine weitere bemerkenswerte Tatsache ist, dass sich Radiowellen bis in diese Tiefe fortpflanzen und mittels Germanium-Platten hörbar werden. Die Erdung macht‘s möglich.

Unklar bleibt zunächst, wie diese Hohlräume entstanden sind.

Wenden wir unsere Aufmerksamkeit anderen Höhlen zu, stellen wir einige Eigenheiten fest:

  • Höhlen haben stets einen ebenerdigen Eingang
  • Höhlen haben stets einen runden Querschnitt
  • Höhlen haben stets vergleichsweise glatte Wände.

Biogeodynamik

In diesem Zusammenhang erstaunt die in FC 367 geäußerte Vermutung eines Geowissenschafters, ein gewaltiger Grundbruch sei auf die Grabtätigkeit von Wühlmäusen oder Maulwürfen zurückzuführen. Ganz offenbar scheint dergleichen ja öfter vorzukommen. Oft genug, um es einem erfahrenen Sachverständigen zu erlauben, die Anzahl wühlender Maulwürfe zu ermitteln, welche für einen Grundbruch verantwortlich sind.

Folgerichtig unternimmt man Versuche, Tiere kommerziell beim Tunnelbau einzusetzen (DD 60). Auch hier finden wir den ebenerdigen Eingang, den kreisrunden Querschnitt und die recht glatten Wände.

Insofern liegt die Vermutung nahe, das Entstehen der erstaunlichen Entenhausener Höhlen auf biogeodynamische Ursachen zurückzuführen, namentlich die  Grabtätigkeit größerer Tiere. Es handelt sich wohl hierbei allerdings kaum um zu groß geratene Maulwürfe, Wühlmäuse oder Kullern, sondern meiner Meinung nach um ein Tier, das für seinen enormen Appetit auf  schwer Verdauliches bekannt ist, namentlich eine Riesenwuchsform des Entenhausener Bohrwurmes, Vermes horribilis FUCHS 1965 (syn. Teredo sp. BARKS 1962).

Der Entenhausener Bohrwurm (WDC 75) ist ein naher Verwandter unseres Schiffsbohrwurmes (Teredo navalis). Die Bezeichnung „Wurm“ ist allerdings in beiden Fällen irreführend, da es sich nicht um Würmer, sondern um Muscheln handelt, deren Schalen zu einer Art „Bohrkopf“ umgebildet sind.

Den Locus typicus der Wohnhöhle des Riesenbohrwurmes finden wir im Äolsgebirge (FC 1095). Die Wohnhöhle tritt hier im stumpfen Winkel zu schrägstehenden Schiefern auf, was eine rein geologische Ursache eigentlich ausschließt: Die blankgescheuerten Wände der Höhlen weisen eine Vielzahl von Nischen auf. Diese dienen den Bohrwürmern möglicherweise zum Schutz ihrer Brut.

In den minotaurischen Tropfsteinhöhlen (U$ 10) hat wohl dereinst eine ganze Bohrwurmfamilie gehaust. Deren Bohrtechnik wird imitiert vom sogenannten Eisernen Bohrwurm (HDL 13). Die Bohrgänge haben eine Verbindung zum Meer, was darauf hindeutet, dass die Tiere zumindest einen Teil ihres Lebenszyklus dort verbringen. Der Kontinentalsockel ist durchlöchert wie ein Emmentaler. Eines der Tiere hat sich am Kalkstein eines Riffes gütlich getan (FC 159). Grotten in einem Korallenriff sind selbst in Entenhausen ungewöhnlich.


  1. 1,0 1,1 PLATTHAUS, ANDREAS: Vulkanismus auf Stella Anatium. Der Donaldist 65, p. 22. http://mitglieder.donald.org/mitglieder/ddd/pdfs/Donaldist_065.pdf#page=022
  2. MARTIN, PATRICK: Die Geologie auf Stella Anatium. Der Donaldist 146, p. 9. http://mitglieder.donald.org/mitglieder/ddd/pdfs/Donaldist_146.pdf#page=009