Liste der Zitate im Fuchstext: Einzelne Ausdrücke und Redensarten

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Einzelne Ausdrücke

Firlefanz

Der geizige Verschwender BL OD 27, S. 9 (U$ 47/1
Firlefanz


Firlefanz (m.) reimt sich auf Tanz, und das aus gutem Grund, denn es bezeichnete im 14. Jahrhundert einen närrischen Tanz. Das Wort entstand durch Übernahme des altfranzösischen >>virelai<<, das Ringellied bedeutet. Daraus wurde im Deutschen zunächst >>firelei<< und >>firlefei<<, dann in Anlehnung an >>Tanz<< und >>Alfanz<< (= Possen, Gaukelei) schließlich Firlefanz. Die Bedeutung wurde im Laufe der Zeit von der verrückten Hüpferei ausgedehnt auf Unsinn, Albernheit, Flitterkram und Tand.“[1]

Im Trend stehen

BLDD2 p.35


Eigentlich "im Trend liegen"

Die Kohldampf-Insel 1954 (U$ 08/2) BL OD 07, S. 37

Kohldampf

[umgangssprachlich für] Hunger: Kohldampf schieben“

„Wie wird man berühmt?“ (WDC 245) in BL WDC 41, S. 12

Minister für Sonderaufgaben

Das Bayerische Staatsministerium für Sonderaufgaben bestand von 1945 bis 1950 und hatte die Aufgabe, Richtlinien für die Entnazifizierung in Bayern zu erarbeiten sowie die praktische Durchführung des Gesetzes zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus mit Hilfe von Spruchkammern zu organisieren. Vergleichbare Ministerien existierten auch in Hessen und Württemberg-Baden.

Die Bewährung

Trali Trala

(oft am Anfang oder Ende eines Liedes stehend) als Ausdruck fröhlichen Singens ohne Worte


Tri tra trallala tri tra trallala, der Kasperl der ist wieder da. (Autor unbekannt)

BL-DÜ6

Seelenbinder

Helferlein zwingt durch die Fesselung zwei Kontrahenten zur Lektüre des Buches „Liebe Deine Feinde“ von Salomon Seelenbinder. Er hat die „Seelen“ gleichsam physisch gebunden, um durch die Lektüre eine geistige „Seelenbindung“ bei Düsentrieb und dem Nachbarn auszulösen.

Werner Seelenbinder (1904- 1944) war ein Arbeitersportler und Kommunist, der bei den Ringerwettkämpfen der Olympischen Spiele 1936 in Berlin den vierten Platz belegte. Später wurde er als Widerstandskämpfer von den Nationalsozialisten verhaftet und hingerichtet.

Sudlerwirt

Der Schlafwandler,  BL WDC 5, 1945 (WDC 56)
Der Sudler war ein Koch. Der Begriff „Sudler“ hat seinen Ursprung im Sud, in dem gekocht wurde. Der Sudler stellte seinen Kessel in der Mitte des Lagers auf und kochte dort „Schafe, Ziegen, Rind- und Schweinefleisch, Würste und Sauerkraut“, die er dann an die hungrigen Soldaten verkaufte.
Eichendorfs Werke (1954) WDC 168, BL 26, S. 38

Unnussel

Ostpreußischer Ausdruck für Tunichtgut, Dummkopf[2]

Die Quelle nie versiegenden Vergnügens WDC 291

Untermenschen

A. Shlessings „Passender Ausdruck“ in 7. Auflage, neu bearbeitet [sic !!!] von Hugo Wehrle: „Deutscher Wortschatz“. Stuttgart: Klett. (1940 [sic !!!]), S.285.

Dieses Wörterbuch des Unmenschen bietet in der rechten Spalte folgende Synonyma:

„Untermenschen(tum) Tiermensch. menschliches Tier. Halb-, Viertelsmensch. Lump. minderwertiger, halbvoller Mensch. aus den menschlichen Niederungen. Unterwelt. Auswurf, Abschaum der Menschheit. Auswürfling. Jämmerling. Pest, Geißel. Schandfleck. Erbärmliche(s), elende(s), gemeine(s) [Subjekt, Person, Kreatur]. [catilinarische Existenz]. Ausgestoßener. Verworfener. Gebrandmarkter. Sträfling. Geächteter. – Ungeheuer. Unhold. Unmensch. Ruchloser. verruchte Seele. Rohling. Scheusal. (eingefleischter) Teufel. [Satan] (in Menschengestalt). [Mephisto(pheles)]. Höllenhund, -braten. Bauchaufschlitzer. Kehlabschneider. Menschenfresser. Kopfjäger. Feuerländer. [Hottentott(e) Kannibale]. Tiger(herz). menschliche Hyäne]. Hund, Bluthund, -mensch, -säufer. Würger. [Garrotter, Gangster]. Schädling 913. Neiding. Wolf in Schafskleidern, -pelz. Bösewicht, Misse-, Übeltäter. Erzspitzbube. Angeber. [Denunziant]. Abtrünniger. [Renegat. Apostat]. Betrüger. Frevler. Verbrecher(natur). Volksverführer, -betrüger. [Demagog(e)]. Schieber, Erpresser. Wucherer. Güterschlächter. Schächer. (Raub-)Mörder. Mordbrenner, -bube. Brandstifter.

MM/7, BL WDC 47, S. 47
MM/7, BL WDC 47, S. 47

Wirtschaftswunder

Wirtschaftswunder ist ein Schlagwort zur Beschreibung des unerwartet schnellen und nachhaltigen Wirtschaftswachstums in der Bundesrepublik Deutschland und in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Wirtschaftswunder verlieh den Deutschen und Österreichern nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges und dem Elend der unmittelbaren Nachkriegszeit ein neues Selbstbewusstsein.

Tatsächlich handelte es sich bei dem starken Wirtschaftswachstum der 1950er und 1960er Jahre um ein gesamteuropäisches Phänomen (Nachkriegsboom).”[3]

Lore aus Singapore (1946), WDC 65, BL 7, S. 42.

Zuzugsgenehmigung

Zuzugssperre für die Stadt Frankfurt wird aufgehoben, 13. Februar 1950[4]


Der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main hebt mit sofortiger Wirkung die durch Verordnung des vormaligen kommissarischen Oberbürgermeisters Kurt Blaum am 23. August 1945 verhängte Zuzugssperre für Einwohner aus dem Bundesgebiet auf. Die Sperre war nach einer zwischen April und Juni 1945 durchgeführten Personenstandsaufnahme ergangen. Nach Angabe des Wohnungsamtes »rechnet die Stadt damit, daß sich der Zuzug von selbst regeln wird«. Man schätzt, dass die »Zahl der Zuziehenden sehr gering sein wird, da sicher nur die Personen nach Frankfurt kommen werden, die wissen, wo sie unterkommen können«. Die Zuzugssperre sei aufgehoben worden, weil die individuelle Erteilung einer »Zuzugsgenehmigung« durch die Behörden »in der letzten Zeit illusorisch geworden war und nur noch eine rein bürokratische Maßnahme darstellte«. Das Wohnungsamt warnt jedoch gleichzeitig davor, ohne Aussicht auf eine feste Bleibe nach Frankfurt zu ziehen. Einschließlich der evakuierten Frankfurter Bürger gebe es in der Stadt »zur Zeit noch etwa hunderttausend Wohnungsuchende«. Zu diesen zählten auch die zahlreichen in Frankfurt Beschäftigten, deren Familienangehörige noch außerhalb wohnen. Etwa 25.000 der derzeit in Frankfurt lebenden Personen seien ohne Zuzugsgenehmigung illegal in Frankfurt wohnhaft.“

MM 11-15/63, TGDD 50

Studentenlieder

In den späten 60er Jahren kam es in der BRD zu Studentenprotesten, die mit der alten Burschenherrlichkeit nicht mehr viel zu tun hatten...

Redensarten

WDC155 MM5/1954 p.7
WDC155 MM5/1954 p.7

Ach Du grüne Neune

U$7 MM40/1961 p. 36
U$7 MM40/1961 p. 36
Vermutlich kommt die Redensart von den Jahrmärkten, auf denen mit Hilfe von Spielkarten die Zukunft vorhergesagt wurden. Die Pik Neun heißt auf deutschen Spielkarten “Grün Neun” und war eine unheilvolle Karte. Deswegen sagte man früher auch “du kriegst die grüne Neune” als ein Ausruf des Erschreckens.[5]


Der Ausdruck wird sehr oft verwendet, siehe https://forum.donald.org/read.php?1,34455,34757

MM42/1984 p.38
MM42/1984 p.36

Ach du liebes Lieschen!

Wahrscheinlich eine Verballhornung von "Ach du liebes Bisschen!"[6]

Des Lebens müde
MM3/1973 p.34

Ach, ich bin des Lebens müde

Alles in Butter

MM50/1958 p.10
Wie viele andere kommt auch diese Redewendung aus dem Mittelalter. Damals wurden teure Gläser aus Italien über die Alpen nach Deutschland transportiert. Blöderweise gingen die meisten davon – bei all dem Gewackel – schnell zu Bruch. Ein gewitzter Händler hatte schließlich den rettenden Einfall: Er legte die Gläser in Fässer und goss dann heiße, flüssige Butter darüber. Als die Butter abgekühlt und fest geworden war, waren damit auch die Gläser fixiert. Jetzt konnte ihnen das Gerumpel auf dem Wagen nichts mehr anhaben. Selbst wenn eines der Fässer von der Kutsche fiel, blieben die Gläser heil. Und so war eben "alles in Butter"![7]
MM 1/1962 p.4

Alter Freund und Kupferstecher[8]

WDC103 MM4/1975 p.9
WDC103 MM4/1975 p.9

Armes Schwein

Der redensartliche Gebrauch des Ausdrucks (d. h. auf Menschen bezogen) erfolgte im angehenden 20. Jahrhundert - erste Belege finden sich ab den 1920er Jahren[9]

MM1/1956 p.7
MM1/1956 p.7

Aufpassen wie ein Schießhund

[10]

Weiteres Zitat in MM8/1952 p. 3

Armes Würstchen

WDC114, TGDD97
WDC114, TGDD97
Diese erst seit dem 19. Jahrhundert belegte Wendung ist vielleicht an das lautähnliche "ein armes Würmchen" angelehnt.[11]
TGDD92 p.24
TGDD92 p.24

Das Leben ist ein Trauerspiel

Das Wort "Trauerspiel" schlug der Barockdichter und Theoretiker der Dichtkunst Philipp von Zesen (1619-1689) als Ersatz für das Fremdwort "Tragödie" vor, in Anlehnung an das ältere Lustspiel (Komödie). Zesen war ein puristischer Sprachreiniger und Gründer der Hamburger Sprachgesellschaft "Deutschgesinnte Genossenschaft", die verschiedene deutsche Ausdrücke für fremdsprachige Wörter erfand und auch erfolgreich durchsetzte. (...) In der Umgangssprache wird Trauerspiel gelegentlich durch das noch missverständlichere Wort Drama ersetzt (es ist ein Drama mit jemandem), wobei in beiden Fällen jedoch der Aspekt der Beobachtung eines ablaufenden (schicksalhaften) Vorgangs zum Tragen kommt.[12]

MM17/1959 p.10

Ich amüsier' mich wie ein Schneekönig

Schneekönig ist ein anderer Name des Zaunkönigs, unseres kleinsten Singvogels, der auch im Winter bei uns bleibt und trotz Schnee und Kälte munter singt.[13]

Auf den Leim gehen

MM 44/1964 p.35
MM 44/1964 p.35

Auf Gedeih und Verderb

MM 20/1961 p.3
MM 20/1961 p.3

Auf keinen grünen Zweig kommen

MM 10/1964 p.8
MM 10/1964 p.8

Sich aufführen wie ein Berserker

MM 10/1952 p.3
MM 10/1952 p.3
MM 21/1962 p. 29
MM 21/1962 p. 39

Sich bis auf die Knochen blamieren

(weitere Erwähnung in MM 2/1962 p. 30)

Ins Bockshorn jagen[14]

MM 30/1962 p. 8
MM 30/1962 p. 8
MM 17/1977 p. 37
MM 17/1977 p. 37

Dem Fass die Krone ins Gesicht schlagen

Variante "dem Fass den Boden ins Gesicht schlagen" in BL-DD 6, p. 46